Fuchs Hans JoachimDen Anfang machte Herr Dr. Fuchs von CHINABRAND Consulting. Sein Thema war Chinas neue Seidenstraße und die Auswirkungen auf deutsche Unternehmen. Zunächst ging es dabei um Daten und Fakten rund um das Entwicklungsprogramm der chinesischen Regierung. Insgesamt handelt es sich dabei um über 900 einzelne Projekte, die 65 Staaten und 4,4 Milliarden Menschen betreffen. Dabei beschränkt sich die neue Seidenstraße aber nicht auf den Landweg, sondern bezieht auch Seewege, den Luftverkehr und digitale Netzwerke mit ein. Dr. Fuchs schilderte anhand einiger Beispiele, wie verschieden die Projekte sind, in die die chinesische Regierung investiert.

Der Vortrag beschränkte sich aber nicht auf die harten Fakten, sondern ging auch auf die Motive, Ziele und Strategien der chinesischen Regierung ein, so zum Beispiel das Projekt 16-1: Im Rahmen der neuen Seidenstraßen-Initiative will China in Osteuropa die notwendigen Infrastrukturen schaffen, um chinesische Produkte und Dienstleistungen noch besser auf europäischen Märkten platzieren zu können. Dabei beschränken sich die Investitionen nicht auf die Infrastruktur, sondern beziehen mit der Errichtung von Denkfabriken in den jeweiligen Ländern auch den Bereich der Bildung mit ein.

Wirtschaftliche und politische Ziele gehen dabei Hand in Hand. China etabliere sich als Vorreiter einer neuen Form der Globalisierung, indem es Finanzierung und Ausbau der Infrastruktur in Rekordzeit vorantreibe, so Dr. Fuchs. Dieses beinhaltet auch die Vergabe von Krediten an Länder mit finanziellen Schwierigkeiten, was zu einem hohen Verschuldungsrisiko führt. Das Problem dabei: Im Falle von Zahlungsschwierigkeiten könnte China großen Einfluss in den betroffenen Ländern bekommen, wenn die Regierung zum Ausgleich die Kontrolle über wichtige Projekte wie Häfen und Bahnstrecken bekommt.

Im dritten Teil seines Vortrags ging Herr Dr. Fuchs dann auf die verschiedenen Optionen ein, die deutsche Unternehmen haben, um auf die Entwicklungen zu reagieren.

Ein erster Schritt ist, die Entwicklungen nicht zu ignorieren, sondern durch Recherche, Monitoring und Analyse für eine Transparenz der Entwicklungen zu sorgen und ein entsprechendes Frühwarnsystem zu installieren. Hier kommen besonders die Kenntnisse und Erfahrungen der Markt- und Wettbewerbsspezialisten zum Einsatz.

Die Neue Seidenstraße mag für viele Marktteilnehmer wie ein fernes Zukunftsprojekt klingen, aber es gelang Herrn Dr. Fuchs, durch aktuelle Beispiele darzustellen, dass viele Projekte bereits in der Umsetzungsphase angekommen sind und wie schnell chinesische Projekte durchgezogen werden. (Ein Beispiel ist dieses Projekt, in dem 1.500 Chinesen in nur 8,5 Stunden ein neues Eisenbahndrehkreuz für drei Eisenbahnlinien bauen https://www.youtube.com/watch?v=6wwgrwNb5gE)

Der zweite Schritt für Unternehmen besteht darin, ihre verschiedenen Optionen zu bewerten und die eigene Strategie anzupassen. Denn die Seidenstraße ist auf keinen Fall eine Einbahnstraße, sondern kann auch als ein neuer Weg verstanden werden, um Märkte in China zu erschließen. Außerdem bietet das Programm auch eine Vielzahl von Möglichkeiten, an entsprechenden Projekten teilzunehmen. Wer Interesse daran hat, das Thema zu vertiefen, kann sich auf der Seite www.chinabrand.de das Whitepaper mit dem Titel „Chinas neue Seidenstraße – Risiken und Chancen für deutsche und europäische Unternehmen“ herunterladen.

Die anschließende Kaffeepause wurde dann dazu genutzt, eigene Erfahrungen mit chinesischen Mitbewerbern auszutauschen und Lösungsansätze zu diskutieren.


Der zweite Vortrag des Nachmittags beschäftigte sich mit einem weiteren Trend, der die Arbeit der Markt- und Wettbewerbsspezialisten beeinflusst: Die zunehmende Digitalisierung und wie man durch neue Formen des Lernens fit für die neue Arbeitswelt bleiben kann. Frau Bohrisch von Siemens nahm dafür zu Beginn ihres Vortrags die Zuhörer mit auf eine Zeitreise über Computer und Digitalisierung. Sie zeigte auf, wie die Entwicklungszyklen der industriellen Revolution über die digitale Revolution bis zum Zeitalter der Artificial Intelligence immer kürzer wurden und wie diese schnellen Entwicklungen das Arbeitsumfeld der Markt- und Wettbewerbsspezialisten beeinflusst.

2018 05 16 BohrischFür den MCI-Spezialisten bedeutet dies, dass er in Zukunft noch flexibler sein muss, um pro-aktiv und schnell auf Veränderungen reagieren zu können; die steigende Anzahl von Informationsarten und -quellen setzt voraus, dass er seine digitale Medienkompetenz ständig auf dem Laufenden hält; Kooperation und Wissensaustausch werden bei der steigenden Datenflut immer wichtiger; ebenso gefragt ist die Fähigkeit, die Bedeutung der Daten für Kunden zu analysieren, die Kundenbedürfnisse zu verstehen und in seiner Sprache zu sprechen, um ein Vertrauensverhältnis zu schaffen. Der MCI-Spezialist von morgen ist Data Analyst, Rapid Prototyper, Storyteller, Change Champion, Network Manager, Catalyst, Cannibal und Trainer.

Der nachhaltige Erfolgsfaktor, um in diesem neuen Arbeitsumfeld 4.0 bestehen zu können, ist laut Frau Bohrisch eine lernende Organisation. Fokussiertes und schnelles Lernen sind dabei die Grundpfeiler, um am Markt bestehen zu können. Im zweiten Teil ihres Vortrags ging Frau Bohrisch dann auf verschiedene neue Lernmethoden näher ein.

Benchlearning ist eine Weiterentwicklung des Benchmarkings. Allerdings steht hierbei das gemeinsame Lernen im Mittelpunkt und nicht der Vergleich von Zahlen, Daten und Fakten. Die Teilnehmer lernen voneinander zu einem gemeinsamen Thema und arbeiten Good Practices heraus.

Eine andere Methode sind Barcamps, auch Unkonferenzen genannt. Hier gibt es kein vorher festgesetztes Programm, sondern die Inhalte werden von den Teilnehmern selber eingebracht.

Die dritte Methode, die Frau Bohrisch näher vorstellte, ist Working Out Loud. Hier geht es darum, sein Wissen zu teilen und anderen zu helfen. Man erzählt anderen Teilnehmern von seiner Arbeit und seinen Herausforderungen und Zielen und lässt diese daran teilhaben und sich unterstützen, so dass alle zusammen lernen und besser werden.

Neben diesen Methoden, die ausführlich vorgestellt wurden, gibt es noch eine Vielzahl von weiteren Methoden, die Frau Bohrisch in den Jahren gesammelt hat und die in der anschließenden Fragerunde kurz angerissen wurden. Dazu gehören zum Beispiel Scrum (eine Methode des Projektmanagements, um Projekte agil und partizipativ zu führen), Hackathon (eine Veranstaltung, in deren Verlauf frei und kollaborativ auf Basis neuer Ideen Prototypen entwickelt werden) und Design Thinking (eine kundenorientierte Innovationsmethode, die als eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen verstanden wird).

Beide Sprecher gaben viele interessante Impulse und auch nach der Veranstaltung entwickelten sich noch einige spannende Diskussionen unter den Teilnehmern.

Wer Interesse hat, diese und weitere Trends der Markt- und Wettbewerbsanalyse zu diskutieren oder sich einfach nur mit anderen MCI-Spezialisten auszutauschen, ist herzlich zum nächsten Stammtisch in München eingeladen und sollte sich schon einmal den 19. Juli vormerken.

Wer mehr Interesse daran hat, sich zurückzulehnen und interessante Vorträge zu hören, dem sei die dcif-Konferenz in Frankfurt am Main empfohlen. Aber Achtung! Es könnte sein, dass wir die ein oder andere neue Lernmethode dort ausprobieren werden und es nicht beim passiven Zuhören bleibt.