dcif-Visit am 29.09.2016 in Frankfurt am Main

Erster dcif-Visit – Wissen und Wein über den Dächern von Frankfurt

Am 29. September veranstaltete das dcif seinen ersten dcif-Visit in Kooperation mit seinem neuen Unternehmensmitglied AMI / Bertin IT. Die Veranstaltung knüpft an die etablierten dcif Impulsveranstaltungen an und bietet den Teilnehmern neben den bewährten Impulsvorträgen auch die Möglichkeit, Unternehmensmitglieder näher kennenzulernen. Bei herrlichem Sonnenschein traf man sich über den Dächern von Frankfurt, um sich miteinander auszutauschen und neue Impulse aufzunehmen.

Den Anfang machte Prof. Dr. Martin Grothe, CEO der complexium GmbH, mit seinem Vortrag über „VIP Security Profiles für Schutzpersonen“.

Bei dem Schutz Ihrer Daten fokussieren sich Unternehmen bislang fast ausschließlich auf ihre IT-Infrastruktur. Dabei wird aber sehr häufig übersehen, wie nahe „unberechtigte Dritte“ diesen Informationen und exponierten Schutzpersonen durch Nutzung frei verfügbarer digitaler Informationen kommen können. Daraus können konkrete Bedrohungen entstehen, entweder direkt für eine solche Person, die Informationen können aber auch für Social Engineering oder gezielte Desinformation genutzt werden.

Prof. Grothe ging darauf ein, dass Security- und Intelligence-Professionals sich dieser Schwachstelle bewußt sein sollten, um potentielle Risiken abzumildern. Als Lösungsoption stellte er den Teilnehmern Inhalt und Aufbau eines VIP-Security Profiles vor und ging näher auf die verschiedenen Wege digitaler Akteure ein, sich einer falschen oder fiktiven Identität zu bedienen. Angereichert wurde der Vortrag mit anschaulichen Beispielen von sogenannten Sockenpuppen und Trollen. Auch auf das Social Engineering, bei dem menschliche Eigenschaften wie z.B. Hilfsbereitschaft, Vertrauen oder Angst ausgenutzt werden, wurden an diesem Nachmittag angesprochen.

Einen Blick in die Zukunft gab es in Gestalt der Frage, wie Social Bots sich selbständig an Diskussion beteiligen oder eigenständig Informationen versenden, um eine Meinung zu beeinflussen. Daß diese Zukunft vielleicht schon begonnen haben könnte, wurde beispielhaft deutlich anhand von Tweets, die möglicherweise Einfluss auf die Diskussion zum Brexit gehabt haben.

Wie kann man sich nun als Unternehmen auf solche Angriffe vorbereiten? Prof. Grothe empfahl hier die Prävention durch Aufklärung. Dies beinhaltet Verhaltensempfehlungen für den betroffenen Kreis von Personen und kontinuierliches Monitoring in Echtzeit.

Richtig lebhaft wurde es im Anschluss an den Vortrag, als Herr Knapp, CEO der SVP Deutschland AG, einen Überblick über die digitalen Werkzeuge für Market- und Competitive Intelligence (MCI) Professionals gab.

Welche Software benötigt man als MCI Professional? Die Antworten, Anforderungen und Wünsche sind hier sehr individuell. Der dcif-Arbeitskreis Software beschäftigt sich deshalb aktuell mit der Frage, welche Software es am Markt gibt, die von MCI Professionals grundsätzlich eingesetzt werden kann.

Ziel ist der Aufbau einer digitalen Werkzeug-Landkarte für dcif-Mitglieder, die verfügbare Tools anhand der verschiedenen Phasen des CI-Zyklus aufzeigt. An diesem Nachmittag wurden der erreichte Stand der Ergebnisse vorgestellt und mögliche Einsatzbereiche aufgezeigt.

Danach ging es in den Meinungsaustausch über die Erwartungen der Teilnehmer hinsichtlich einer solchen Software-Landkarte. Aus den Diskussionen ging eine Liste mit konkreten Wünschen und Anregungen für die weitere Ausarbeitung der Landkarte hervor. Alle Teilnehmer sind nun gespannt darauf, die Software Landkarte auf der dcif-Jahreskonferenz einsehen zu können und die Diskussion dort weiter zu führen.

Nach diesen beiden Vorträgen war der offizielle dcif-Teil der Veranstaltung beendet. Die meisten Teilnehmer waren neugierig auf das neue Unternehmensmitglied AMI / Bertin IT und so ging es nach einer kurzen Pause in den zweiten Teil der Veranstaltung, in dem sich das neue Unternehmensmitglied vorstellte.

Neben Stephanie Paulutt, Sales Director DACH, waren zur Veranstaltung drei Manager des französischen Unternehmens extra nach Frankfurt gekommen, weshalb man nun in die englische Sprache wechselte.

Neben den Präsentationen, die den Teilnehmern das Unternehmen AMI / Bertin IT mit seinen Lösungen für Markt- und Wettbewerbsbeobachtung sowie Cybersecurity näherbrachten, wurde der Vortrag von Christina Sterenborg, Head of Market Intelligence für Europa bei der Deutschen Telekom, mit Spannung erwartet. Die Referentin erläuterte zusammen mit Stephanie Paulutt, wie AMI bei der Deutschen Telekom eingesetzt wird.

Minerva, wie die CI Plattform betriebsintern genannt wird, bietet Mitarbeitern im In- und Ausland die Möglichkeit, auf alle Publikationen, Analysten-Reports und Nachrichten jederzeit zugreifen zu können. Das Portal ist die zentrale Stelle für alle relevanten Informationen zu Markt und Wettbewerbern. Die unterschiedlichsten Abteilungen sind nun auf einer Plattform vereinigt. Viele Prozesse, die in der Vergangenheit vom Rechercheteam manuell erledigt wurden, sind nun automatisiert worden, was es den Kollegen erlaubt, effizienter zu arbeiten und Informationen direkt zu teilen. Die Einrichtung einer zentralen Lösung hat es außerdem ermöglicht, Duplikate zu identifizieren und in Zukunft zu vermeiden, wodurch sowohl eine Qualitätssteigerung als auch eine Kostenreduzierung erreicht wird.

Nach den Vorträgen blieb noch genügend Zeit für einen abschließenden Austausch über die gehörten Impulse. Außerdem konnte man sein Wissen über französische Weine vertiefen, denn die Kollegen aus Frankreich haben es sich nicht nehmen lassen verschiedene Weine zum Verkosten aus ihrer Heimatregion mitzubringen und so wurde es noch ein langer Abend über den Dächern von Frankfurt mit Wein, Fingerfood und regem Wissensaustausch.

Die nächste Möglichkeit sich wieder mit anderen CI-Professionals auszutauschen ist nun die dcif Jahreskonferenz am 15./16. November in Berlin.
http://www.dcif.de/index.php/veranstaltungen/jahreskonferenzen/342-9-jahreskonferenz-des-dcif-e-v-15-16-november-2016-in-berlin

Weiterführende Literatur

Martin Grothe: Computerlinguistisches Echtzeitmonitoring im Internet: Digital Listening. Information.Wissenschaft & Praxis 2016, 67(2-3); S. 117-12
http://dcif.de/images/stories/Presse/Computerlinguistisches-Echtzeitmonitoring-im-Internet.pdf


Beyond Listening: VIP Security Profiles für Schutzpersonen, Vortrag Prof. Dr. Martin Grothe
http://dcif.de/images/stories/Presse/Beyond-Listening-VIP-Security-Profiles-fr-Schutzpersonen_Vortrag-Martin-Grothe.pdf

Fallstudie: Minerva: sharing intelligence across 12 countries
http://www.amisw.com/de/kunden/zeugnisse/case-study-deutsche-telekom/


Außerdem wurden folgendes Buch und Film diskutiert:

Martin Walker: Germany 2064: Ein Zukunftsthriller. Die Welt von morgen. Diogenes Verlag, 2015

Who am I: Kein System ist sicher. Regisseur: Baran Odar. Drehbuch: Baran Odar, Jantje Friese
Deutschland: Sony Pictures Home Entertainment, 2015. 102 Minuten

Programm

15:00Uhr   
Begrüßung durch Prof. Dr. Martin Grothe (dcif-Vorstandsvorsitzender) 
15:30Uhr Beyond Listening: VIP Security Profiles für Schutzpersonen (Vortrag, Prof. Dr. Martin Grothe, complexium)
16:30Uhr
Digitale Werkzeuge für CI: Aktuell, auf der Wunschliste und in der Perspektive (Impuls und Diskussion, Matthias Knapp, SVP)
17:30Uhr
Kaffeepause und Networking
Beginn der AMI-Veranstaltung (www.amifrankfurt.de) 
18:00Uhr Begrüßung und Einführung durch Alain Beauvieux (Senior Vice President, AMI)
18:15Uhr Discover the platform (Stephanie Paulutt)
Pushing the boundaries at Deutsche Telekom (Christina Sterenborg)

18:45Uhr The New Generation of AMI (Eric Fourboul)
19:15Uhr Dealing with the unsecure world of Big Data (Nicolas Masson)
19:45Uhr Networking und Weinprobe

 


Sprecherprofile
Grothe02Prof. Dr. Martin Grothe
Prof. Dr. Martin Grothe ist CEO der complexium GmbH in Berlin.
complexium ist offizieller Partner des ASW Bundesverbandes e.V. „Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft“.

 


KnappMatthias Knapp, SVP Deutschland AG